Body

Echo oder Ego? – 110% Magazin

Der Fitnesssport hat keine Zukunft mehr, der neue Trend heißt Resonanzsport. Also: Schluss mit Leistungsdenken und Konkurrenz. Stattdessen mehr Verbundenheit und Gemeinschaft. Die einen finden’s gut. Die anderen verstehen die Welt nicht mehr …

Text: Alexander Kern

Sport soll wieder Spaß machen! Dieses Motto hat sich der Resonanzsport an die Fahnen geheftet. Der Begriff mag zwar sperrig klingen, seine Inhalte dagegen sind es ganz und gar nicht: Gemeint sind Sportarten, bei denen das Gruppengefühl und Verbundenheit wichtiger sind, als der Erste oder die Beste zu sein. Denn in unserer Gesellschaft gibt es den strukturellen Zwang, permanent das Tempo zu erhöhen, wie Hartmut Rosa feststellte. „Wenn keine Zeit bleibt, sich auf die Welt einzulassen“, so der deutsche Soziologe, „entsteht Entfremdung.“ Seine Forderung: mehr Resonanz. Das Sich-Einlassen weitet er auch auf den Sport aus: „Den eigenen Körper nicht mehr nur optimieren, sondern wieder fühlen.“

Die Trendforscherin Oona Horx-Strathern hat Rosas Theorie aufgegriffen. Resonanzsportarten sind für sie Surfen oder Stand-up-Paddling, die nicht nur fit halten, sondern auch ein Einswerden mit der Natur, anderen Menschen und uns selbst bewirken. „Das zieht Menschen an, die auf der Suche nach einer realen Verbundenheit sind, die sie aus dem digitalen Autismus befreit.“ Das ist Ausweg und auch Kampfansage — einerseits an die Omnipräsenz von Social Media, andererseits an den klasssischen Fitnesssport. Die Unterschiede zwischen Resonanzsport und Hantelschupfen fasst Horx-Strathern wie folgt zusammen: „Verbundenheit versus Effektivität, Gemeinschaft versus Individuum, Wir-Kultur versus Ich-Kultur.“ Das eine sei extrovertiert und humorvoll, das andere introvertiert, ernst und ziele einzig auf Selbstoptimierung ab. Stand-up-Paddling hingegen verbindet für sie Balance, Natur, Achtsamkeit und körperliche Herausforderung. Und Surfen könne sogar eine therapeutische Wirkung erzielen: Die Wohltätigkeitsorganisation „The Wave“ etwa, so argumentiert die Trend-Expertin, nutze diesen Effekt um Kids mehr Selbstvertrauen einzuimpfen. Warum? „Es geht um Wertschätzung, Solidarität und die Bereitschaft, Herausforderungen anzunehmen. Wer mit dem Meer in Kontakt ist, fühlt sich als Teil dieser Welt.“ Und auf diese Welle springt man gerne auf…

Foto: Klaus Vyhnalek

Oona Horx-Strathern
Trendforscherin, Consultant und Autorin, stammt aus London. Als Trendberaterin war sie u. a. für die Deutsche Bank und Philip Morris tätig.


Source link
Tags
Back to top button
close
Thanks !

Thanks for sharing this, you are awesome !

Pin It on Pinterest

Share This

Share this post with your friends!